Einige Fotos der Festwoche "120 Jahre Bürgerschule Sonneberg" vom 13. bis 16. September 2006 gibt es HIER


Aus der 120 - jährigen Namensgeschichte

Neue Bürgerschule ab 1886
Kaiser - Wilhelm Schule ab 1887
Bürgerschule ab 1920
Kaiser - Wilhelm Schule ab 1933
Bürgerschule ab 1945
August - Bebel - Schule ab 1949
Staatl. Regelschule "Bürgerschule" ab 1991

 

Ein Schulgebäude, das Maßstäbe setzte : Zur Baugeschichte und Architektur der Bürgerschule

 

Als am 15. September 1886 die „neue Bürgerschule“ in Sonneberg mit viel Aufmerksamkeit in der Bevölkerung der Stadt Sonneberg eingeweiht wurde, da wurde in den Reden der Prominenz auch das Wort „Modernität“ mehrfach verwendet. Tatsächlich gehörte der Schulbau am Unteren Markt zu den Schulgebäuden im damaligen Herzogtum Sachsen-Meiningen, die für ihre Zeit Maßstäbe setzten. In Sonneberg, dessen Einwohnerzahle sich zwischen 1800 und 1871 verdreifacht hatte, war die bauliche Situation des Schulwesens ein permanentes Problem kommunaler Politik. Die Schulgebäude im Umfeld der Stadtkirche auf dem Markt waren bereits Anfang des 19. Jahrhunderts an die Grenzen ihrer Kapazität gekommen. Für die Stadt Sonneberg, die allein für die Baulast an den Schulgebäuden zuständig war, bedeutete diese Situation stets einen Spagat zwischen pädagogisch Wünschenswertem und finanziell Machbarem. Bereits die Errichtung eines neuen Schulgebäudes in der Mühlgasse 1835/36 war ohne staatliche Unterstützung nie realisiert worden. Als 1840 ein Stadtbrand neben der Stadtkirche und dem damaligen Stadtzentrum auch den größten Teil der damaligen Schulgebäude zerstörte, dauerte es über ein Jahrzehnt, bis Ersatz geschaffen werden konnte. Die Errichtung der Schule am Markt, der so genannten „Marktschule“, war nur durch die Nutzung von Einquartierungsgeldern von preußischen Truppen, die 1849 in Sonneberg beherbergt worden waren, möglich. Allerdings stieg die Zahl der Schüler zwischen 1851 und 1886 von 859 auf 1.745 an, so dass bereits um 1870 die Zustände in den beiden Schulgebäuden in der Mühlgasse und am Markt als unzureichend bezeichnet wurden.

Obwohl bereits 1875 der Gemeinderat einen Schulneubau auf der Mühlwiese der „Unteren Mühle“, also am späteren Standort der Bürgerschule, plante, kam dies nicht zur Ausführung. Aus Kostengründen wurde die Marktschule um ein Stockwerk erweitert. Allerdings erwies sich der Raumgewinn von fünf Klassenräumen als unzureichend. Deshalb wurde der Plan eines neuen Schulgebäudes 1882 im Gemeinderat erneut aufgegriffen. Im Gespräch waren unter anderem Standorte in der Nähe der Marktschule und im Garten des Kaufmannes Adolf Fleischmann in der Kirchstraße, die jedoch schnell wieder verworfen wurden. Nachdem bereits früher der letzte Besitzers der „Unteren Mühle“, Georg Hartung, einen Teil seines Grundstückes der Stadt angeboten hatte, nahm man erneut die Verhandlungen mit der Familie Hartung auf. Die „Untere Mühle“ bestand bereits 1340/47 und wurde bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts betrieben. Obwohl bereits 1883 ein Kaufvertrag über die Mühle geschlossen werden konnte, verzögerte sich der Baubeginn noch zwei weitere Jahre. Der Grund dafür lag vor allem in zähen Verhandlungen, die die Stadt mit Gerbern und Färbern am Unteren Graben führen musste. Diese Handwerker nutzten nämlich den Mühlgraben für ihr Gewerbe, so dass der Wassergraben im Bereich des Unteren Marktes und der neuen Schule verrohrt werden musste.

Endgültig konnte am 18. März 1885 die Grundsteinlegung, am 15. September 1886 die Einweihung erfolgen. Konzept und Bauplanung lagen in der Hand des Stadtbaumeisters Hermann Schubert, der dafür auf Modellprojekte zurückgriff, diese jedoch an die konkreten Ansprüche der Stadt Sonneberg anpasste. Insgesamt umfasste der Schulbau 14 Klassenzimmer, jedoch keine Lehrer- oder Direktorenwohnung wie in den älteren Schulbauten. Letzteres bedeutete nicht den alleinigen Bruch mit der überkommenen Schulbautradition. Die neue Schule am Unteren Markt hob sich grundsätzlich von den bestehenden Schulbauten in der Region ab. Mit den sehr großen Fenstern und dem großzügigen Zuschnitt der Klassenräume griff Schubert grundsätzliche Empfehlungen auf, die Ende des 19. Jahrhunderts in der Schulbauarchitektur diskutiert wurden. Den Schülern sollten ausreichend Licht und genügend Luft in den Klassenzimmern zur Verfügung stehen. Mit Kabinetten für den naturwissenschaftlichen Unterricht entsprach der Schulbau nicht nur den gestiegenen Anforderungen an diesen Teil des Unterrichts, sondern auch dem Wunsch der kommunalen Elite in Sonneberg, die genau diesen neuen Unterrichtsschwerpunkt begrüßten. Auch nach außen setzte die Schule Maßstäbe. Die neugotischen Formen der steinsichtigen Backsteinfassade entsprachen dem Zeitgeschmack, aber allein die Dimensionen des Gebäudes rückten den Schulbau eindrucksvoll städtebaulich in den Vordergrund. Die Inszenierung der Schulbauten als „Bildungstempel“ ist gerade bei den ab Mitte des 19. Jahrhunderts neu errichteten Gebäuden auffallend. Einerseits entsprach dies dem gestiegenen Rang der Pädagogik insgesamt, aber auch der großen Bedeutung, die man dem Schulwesen im Herzogtum Sachsen-Meiningen einräumte. Schulgebäude sollten aber nicht nur die zentrale Bedeutung der Bildung deutlich machen, sondern mit ihren hygienischen Einrichtungen zugleich über die Schüler einer verbesserten Hygiene in der breiten Bevölkerung zum Durchbruch verhelfen.

Die Bürgerschule war in Sonneberg und darüber hinaus in Sachsen-Meiningen der erste moderne Schulbau. Mit diesem Gebäude wurden für eine ganze Region Maßstäbe gesetzt.

1896 wurde im Schulhof eine Turnhalle errichtet, die zugleich durch die Turnvereine der Stadt genutzt werden konnte. Eine 1910 geplante Erweiterung der Turnhalle kam nicht mehr zustande. 1935 wurde der nicht mehr benötigte Abortanbau zum Schulhof hin abgebrochen. An seiner Stelle entstand ein zweigeschossiger U-förmiger Anbau für den Werk- und Handarbeitsunterricht.

Thomas Schwämmlein

 

Alfred Finger – eine Sonneberger Rennrodeltrainerlegende

Schon als Schüler begann die sportliche Laufbahn von Alfred Finger in der Arbeitersportbewegung Sonneberg-Neufang. Nach der Zerschlagung des Faschismus gehörte er zu den Mitbegründern der neuen sozialistischen Sportbewegung. Von 1948 bis 1976 gehörte er dem Kreisvorstand des DTSB an und war viele Jahre Vorsitzender der Kreisrevisionskommission. Finger folgte damals dem Aufruf der FDJ, die Jugend der DDR zu Persönlichkeiten zu erziehen und wurde Sportlehrer. Sein umfangreiches Wissen widmete er vor allem dem Nachwuchsleistungssport. Finger war Sportlehrer an der Bürgerschule (damals August-Bebel-Oberschule). Für seinen herausragenden Leistungen erhielt er 1985 in Berlin die Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille auf deiner Festveranstaltung des DTSB. Unter seiner Übungsleitertätigkeit begannen Talente im Rennrodeln, wie zum Beispiel Silke Kraushaar aus Sonneberg, die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin  sowie Weltcupgesamtsiegerin wurde. Einige der vielen Trainingsstunden fanden in der Turnhalle der Bürgerschule statt. Aber auch die Straße, wie z.B. die Alte Neufanger, nutzten die angehenden Spitzensportler, um Erfolge zu erzielen. So wurde die Alte Neufanger Lehrpiste für mehrere Meisterschaften. Doch wie kam es dazu, dass die Talenteschmiede unter Alfred Finger in Sonneberg so erfolgreich war? Auf Grund eines Antrages der Armeesportvereinigung der DDR an die Kreisnachwuchskommission und den DTSB des Kreises Sonneberg wurde auf deren Beschluss, die von der ASV beantragte Bildung einer Sektion Rennschlittensport eingeleitet. Man zog in Erwägung, diese Sektion 1972 an der damaligen August-Bebel-Oberschule zu gründen, weil dort bereits eine sehr gut arbeitende Schulsportgemeinschaft bestand. Außerdem wusste man, dass dort eine Reihe von mutigen Schülerinnen und Schülern aus der Altstadt, Neufang und Wehd für diese Sportart zu begeistern waren. Am 01.09.1972 wurde in der Turnhalle der Schule der Trainingsbetrieb mit 17 Schülern aufgenommen. Die Schulleitung stellte einen Lagerraum für die Schlitten, Kleidung und einen Raum als Schlittenbauwerkstatt zur Verfügung. Damit waren die nötigsten Grundvoraussetzungen geschaffen. Anfangs hatte man keine Trainingsvorgaben, aber gerade Alfred Finger als Sportlehrer wusste, wie eine solche umfassende Ausbildung ablaufen sollte, um später Erfolge zu erzielen. Nach hartem Training kamen Wettkämpfe, u.a. auf der RSBO Oberhof, in Altenberg und in Oberwiesenthal hinzu. Erfolgreiche Athleten waren Heike Jahn, Jens Geisensetter, Axel Heider, Olaf Paschold, Rene Täubert, Sibille Hoherz, Petra Zwilling, Sandra Ludwig, um nur einige zu nenne . Viele dieser Fingerschen Schützlinge kamen in die Bezirksauswahl und wurden an die Kinder- und Jugendsportschule nach Oberhof delegiert. Auch nach der Wende ging die erfolgreiche Arbeit in Sonneberg als Landesstützpunkt weiter. Aus der ehemaligen ASG Sonneberg wurde der Ski-und Rodelverein „Vorwärts“ Sonneberg-Neufang e.V. Heute trainieren die Schützlinge im Rennschlittensportverein Sonneberg-Schalkau e.V., denn seit 1991 stand die Turnhalle der Bürgerschule nicht mehr zur Verfügung. Zahlreiche Auszeichnungen belegen diese hervorragende Vereinsarbeit, die ihren Ursprung in der Turnhalle der damaligen August-Bebel-Oberschule fand.

Sibylle Lottes

 

10 Jahre Förderverein der Staatlichen Regelschule „Bürgerschule“ e. V.

 

Am 08.10.1996 wurde im Beisein des damaligen Landrates Herrn Reiner Sesselmann der Förderverein an der Staatlichen Regelschule „Bürgerschule“ gegründet und wurde am 9.12. 1996 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Sonneberg eingetragen. Unser Schulförderverein war einer der ersten im Schulamtsbereich und stellte den Vorstand vor besonderen neuen Aufgaben. Die wesentlichen Ziele wurden in der Satzung festgeschrieben und im vergangenen Jahr geringfügig verändert. Im Laufe der 10 Jahre seines Bestehen änderten sich die Schwerpunktaufgaben immer wieder. Projekte in der Bildungs- und Erziehungsarbeit zu unterstützen, durch Geld und Sachspenden die materiell-technische Ausstattung der Schule zu verbessern und Schüler, deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind, bei Klassenfahrten oder Lernmittelbereitstellung zu helfen ,prägte die Aufgaben des Vereins in jedem Jahr. In den ersten Jahren des Bestehens gestaltete sich eine besonders gute Zusammenarbeit mit dem „Altstadtverein“ .Die Ausgestaltung des Altstadtfestes nahm eine zentrale Aufgabe im Schuljahr ein. Unsere Kulturgruppen unterstützen hier maßgeblich und öffneten die Schule nach außen. Immer wieder stellt der Förderverein Mittel zu Verfügung, um besonders die Freizeitgestaltung unserer Schüler  mit Inhalt zu füllen. Dabei ist der Vorstand darauf bedacht Mitglieder und Sponsoren zu gewinnen, um seine Ziele verwirklichen zu können. Dank sei an dieser Stelle dem Thüringer Landtag ausgesprochen, dessen Ministerien in der Vergangenheit Fördermittel für verschiedene Projekte bereitgestellt und so viele Vorhaben ermöglicht haben. Mit der Übernahme der Organisation und Durchführung der Schuljugendarbeit als Maßnahmeträger kam eine neue und arbeitsintensive Tätigkeit auf den Verein zu.Seit dem Schuljahr 2003/04 wird diese Aufgabe sehr gut bewältigt. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung werden die Konzepte erarbeitet und sinnvolle und niveauvolle Projekte entwickelt, um Fach- und Sozialkompetenzen der Schüler weiter zu entwickeln.Mit dem Kalenderjahr 2006 wurde die Schuljugendarbeit durch die Schulbezogene Jugendarbeit abgelöst und Dank der Unterstützung des Jugendamtes des Landkreises ist es möglich die wichtigsten außerschulischen Maßnahmen und die im Unterricht integrierten Projekte finanziell ab zu sichern. Der Vorstand des Fördervereines ist stets bestrebt eine gute Vereinsarbeit zu leisten und seine Mitglieder in viele Aktivitäten ein zu beziehen. Regelmäßige Vorstandsitzungen gehören genauso zur Vereinsarbeit wie die Mitgliederversammlung jeweils am Ende des Schuljahres. Hier wird Rechenschaft über die geleistet Arbeit abgelegt und es werden neue Ziele gesetzt. Dabei steht immer wieder die Mitgliederwerbung im Mittelpunkt. Mit z.Zt. 106 Mitgliedern sind wir ein starker Verein, der mit seinen Initiativen die Bildungs- und Erziehungsarbeit an der Staatlichen Regelschule „Bürgerschule wesentlich unterstützt und mit gestaltet.

Doris Motschmann - Vorsitzende des Fördervereins

 

Schulpädagogische Sozialarbeit

an der Regelschule „Bürgerschule“

in der Klassenstufe 5 (Ganztagsschule)

auch durch Zusammenarbeit mit der Grundschule

 

In Deutschland werden bis heute in fast allen Bundesländern zum Ende der 4. Klasse Entscheidungen über die weiterführenden schulischen Laufbahnen von Kindern getroffen. Für Eltern verbindet sich damit eine verantwortungsvolle Entscheidung, denn schließlich werden mit der Wahl der Schulart und der dort zu erwerbenden Schulabschlüsse auch Zukunftschancen für das eigene Kind festgelegt. Bei einer nur vierjährigen Grundschulzeit überschattet die Übergangsauslese schon die ersten Schuljahre. Die RS „Bürgerschule“ stellte sich im Schuljahr 2005/06 das Ziel, besonders an dieser Übergangsproblematik zu arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler der GS „Am Stadtpark“ wurden in den Fächern Deutsch oder Mathematik bereits von Lehrerinnen der Regelschule unterrichtet, welche auch die entsprechenden Fachlehrerinnen für die 5. Klassen im kommenden Schuljahr sein werden. Die Fünftklässler werden also im neuen Schuljahr bekannte Lehrerinnen und deren bekannte Methoden vorfinden, was ihnen das Lernen an der neuen Schule sicher erleichtert. Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen nahmen im Schuljahr 2005/06 im Rahmen der Ganztagsschule zwei Wochenstunden verpflichtend an einem Lernkurs (Lernen lernen, Lernen durch Lesen) teil, welcher ihnen erfolgreiche Hilfe beim Lernen gab. Dieser Lernkurs wurde von einer Erzieherin der Grundschule durchgeführt, die für die Kinder ein vertrautes Gesicht war und der die Gegebenheiten von Schülerinnen und Schülern dieses Alters bekannt sind. Durch eine Sozialarbeiterin des ASB Kinder- und Jugendfreizeitzentrums Erholung, welches sich in unmittelbarer Umgebung der Schule befindet, erhalten die Fünftklässler dreimal in der Woche im Wechsel ein Sozialtraining bzw. durch eine Lehrerin der Schule eine Förderung in D, Ma, bzw. En. Ziele des Sozialtrainings sind u.a. , dass die Kinder lernen, sich untereinander und andere Menschen zu respektieren, dass sie ihr Selbstwertgefühl stärken, dass sie ihre Stärken und Schwächen erkennen, dass sie ein höheres Maß an Selbstachtung, Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit erreichen und dass sie Konflikte durch geschicktes Verhalten bereits im Vorfeld verhindern, ihr Aggressionspotenzial verringern. An diesen drei Wochentagen erhalten die Kinder ein gesundes Frühstück, das sie selbst zubereiten. In einer Projektwoche wurden alle Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Grundschule und der 5. Klassen der Regelschule heterogen  in 25 Wochenstunden unterrichtet, dazu bildete man 3 gemischte Lerngruppen mit je 24 Schülerinnen und Schülern. Zwei Klassenleiterstunden, eine zu Wochenbeginn und eine zu Wochenende, runden die Lernarbeit in den 5. und 6. Klassen ab.

Steffy Schmidt